Lucyna Gaj
über ein neues Konzept des Klavierspiels
Um gut spielen zu können, muss die Klaviatur an die Hände AN-GE-PASST werden.

IDEE

Auswechselbare Klaviaturen

G.L.C.F.

für Klaviere und Flügel bilden eine Alternative für die heutige Standardklaviatur.
Hand eines Konzertspielers
(Umriss)
für den diese Klaviatur ideal ist, weil er eine Dezime (die Zehn) greift.
Standardklaviatur von Flügeln und Klavieren
Hand einer Pianistin
(meine Hand)
für die diese Klaviatur zur Quelle von Problemen wird, weil sie nur eine Oktave (die Acht) greift.
Die Standardklaviatur von Flügeln und Klavieren mit der Breite der weißen Tasten von 22,5 mm ist perfekt auf dem niedrigen und mittleren Speil- und Ausbildungsniveau. Auf einem höheren und dem höchsten Niveau des Klavierspiels beginnen unterdessen Probleme. Ideal ist diese Klaviatur nämlich nur für diejenigen, die (mindestens) eine sog. Dezime, das heißt 10 weiße Tasten, mühelos greifen können. Viel weniger perfekt ist sie für diejenigen, die eine "Neun" höchstens greifen. Und für diejenigen, deren Hände nicht groß genug sind und die nur eine "Acht" greifen, wid sie leider zu einem Folterzeug. Für manche ist diese Klaviatur geeignet, für die meisten jedoch nicht.
Weder bei der Anschaffung von teuren Instrumenten noch im Unterricht wird man darüber in Kenntnis gesetzt, dass man diese problematische Spannweite von einer Dezime beherrscht haben muss, um auf dem höchsten Niveau gut spielen zu können und an die Berufskarriere eines Pianisten ernsthaft zu denken. Je größer die Spannweite, desto besser. Der berühmte Klaviervirtuose Arthur Rubinstein griff mühelos eine "Zwölf". Ähnlich Chopin, Liszt, Horovitz und viele, viele mehr. Es wundert mich, dass es trotz bestehenden Handabgusses Chopins sonderbarerweise bislang keinen gegeben hat, der es versucht hätte, diesen Abguss computergestützt zu entfalten, um zu erfahren, über welche Handspannweite dieser geniale Musiker tatsächlich verfügte.
Klavierspiel studierte ich am Konservatorium in Orlean und später an der Ecole Normale-Alfred Cortot in Paris. Dabei hat mich keiner irgendwann darauf aufmerksam gemacht, dass man eine Dezime greifen muss, um ein professioneller Pianist zu sein. Dabei griff ich damals maximal eine Oktave (8 weiße Tasten). Trotz dieses Problems schaffte ich es, in die IV. professionelle Division an der Ecole befördert zu sein. Der Übergang von der IV. in die V. Division war bedauerlicherweise nicht mehr möglich und zwar nur und ausschließlich wegen der o.g. manuellen Probleme.
Durch einen Zufall erfuhr ich 2002, wo liegt der sprichwörtliche Hund begraben. Eigentlich lag es nicht an einem Zufall, sondern an Mozart und meinem Vater. Wir übten das "Andante mit Variationen" KV 501 von Mozart 4-händig ein. Während des Spiels verglich mein Vater unsere Hände und entdeckte dabei plötzlich, woran die Sache liegt. Bei dem Vergleichen unserer Hände kam er zum Schluss, dass ich ganz einfach auf einer Klaviatur mit engeren Tasten spielen muss, um besser spielen zu können. Wie groß diese Verengung sein sollte, hatten wir keine Ahnung. Über eine "Dezime" wussten wir ebenfalls nichts. In Sachen Dezime half uns Chopin 2005. Wir fuhren zum XV. Chopin-Wettbewerb nach Warschau und dabei selbstverstädlich auch zum Chopins Geburstort Żelazowa Wola. An einem Andekenkiosk erwarben wir das Buch "Chopins Leben" von Kazimierz Wierzyński. Und darin ist auf der Seite 37 das Problem um die Dezime schwarz auf weiß klar beschrieben. Dann haben wir verstanden, dass die Sache komplizierter ist, als wir dachten. Warum? Sämtliche herrlichsten Klavierwerke wie Konzerte, Sonaten, Balladen oder Polonaisen wurden von Pianisten geschaffen, die die beträchtlichen Spannweiten ihrer Hände beim Komponieren miteinbezogen. Um diese Werke "gut" spielen zu können, muss man also über ähnliche Proportionen auf der Linie Hände - Klaviatur wie diese großen Pianisten verfügen. Ist dies auf einer Standardklaviatur nicht zu schaffen, dann ist die einzige Lösung, eine Klaviatur mit entsprechend engeren Tasten für sich zu wählen, wodurch die o.g. genannte Bedingung der Verhältnismäßigkeit erfüllt werden kann. 
Denken wir an Beispiel eines Pianisten oder eher einer Pianistin, die auf der Standardklaviatur höchstens eine Neun greifen kann. Werden die weißen Tasten von 22,5 mm auf 20 mm verengt, dann wird diese auf dieser modifizierten Klaviatur endlich mal eine Dezime greifen können.

Dies bestätigen folgende Berechnungen:
Standardklaviatur (Breite der weißen Tasten 22,5 mm) - (9 x 22,5) + (8 x 1) = 210,5 mm
eine modifizierte Klaviatur (Breite der weißen Tasten 20,0 mm) - (10 x 20) + (9 x 1) = 209,0 mm
Die Verengung von 2,5 mm führt dazu, dass die Dezime um 2,5 cm und somit um mehr enger wird, als die Breite einer weißen Taste der Standardklaviatur beträgt. Das Ergebnis entspricht jenem, als ob die Hand eines Pianisten in einem Augenblick um diese 2,5 cm erweitert wurde.
Um zu überprüfen, ob unsere Idee stimmt, haben wir beschlossen, diese Fachleuten zu unterbreiten und sie dazu anzusprnen, Prototypen von Klaviaturen für Flügel zu entwickeln. Keiner war jedoch bedauerlicherweise bereit, uns zu helfen. Nur die Firma Pleyel in Ales hat sich zuerst für diese Idee interessiert. Wir warteten ein Jahr lang darauf, Kosten sowie Bedingungen für die Umsetzung unseres Konzeptes festzulegen. Leider wurde die Firma gegen Ende 2006 insolvent und so wurden wir im Stich gelassen. Von jetzt an waren wir nur auf unsere eigenen Kräfte angewiesen.
Im Januar 2007 konnte es mein Vater nervlich nicht mehr ertragen und begann selber mit Arbeiten an der Konstruktion der ersten Klaviatur mit einer Breite der weißen Tasten von 19,0 mm für ein Klavier. Die Klaviatur war eigentlich primitiv, doch wohl konnte ich darauf gar nicht schlecht spielen. Es war gleich zu merken, dass sich unsere Idee bewährt. Ich half nach meinen Möglichkeiten bei den Entwicklungsarbeiten sowie bei der Ausführung von den einzelnen Bestandteilen. Die Arbeiten führten wir in der Küche durch, die zu einer Werkstatt auf die Schnelle adaptiert wurde. Wir haben beschlossen, eine weitere, noch professionellere Klaviatur mit noch engeren Tasten zu schaffen. So entstand eine Klaviatur mit einer Breite der weißen Tasten von 18,0 mm. Diese erinnerte schon mehr an eine wahre Klaviatur und war noch besser zu spielen. Es war erforderlich, das Gleiche mit einem Flügel zu versuchen. So erwarben wir für nicht wenig Geld einen kurzen Pleyel und schufen eine Klaviatur mit der Tastenbreite von 21,5 mm. Dabei haben wir nur 82 Tasten von insgesamt 88 modifiziert. Haben Chopin 82 Tasten zu seiner Zeit gereicht, warum sollte man noch etwas mehr machen...
Die an der Klaviatur eines Flügels gesammelten Erfahrungen, welche viel schwieriger umzusetzen waren, haben uns Sicherheit vermittelt, dass auch etwas anderes und zwar Bescheideneres in Frage kommt. Wir kehrten jedoch zum Klavier zurück, um so schnell wie möglich eine Klaviatur mit Tasten enger als 18 mm, das heißt eine "17-er" zu schaffen, auf der ich eine Dezime endlich greifen und völlig frei spielen kann. Sämtliche erwähnten Klaviaturen präsentiere ich auf den Bildern. Ich füge ebenfalls Filme aus dem Service You Tube bei. Demnächst will ich auch weitere Bilder und Filme besorgen.
Mit dieser Internetseite möchte ich auf ein Problem aufmerksam machen. Auf Problem, das schon Paul von Janko zusammen mit Franz Liszt lösen wollte. 1882 wurde eine Knopfklaviatur gebaut, die Janko-Klaviatur genannt wurde. Diese hat sich jedoch nicht eingebürgert, weil sie völlig anders als die traditionelle war und eines anderen Fingersatzes bedurfte. Ihr Vorteil bestand dabei darin, dass jemand, der auf der Standardklaviatur nur eine Oktave griff, eine Dezime auf der neuen Klaviatur mühelos greifen konnte.
Ein anderes Beispiel dafür, dass man auf diesem Gebiet etwas machen kann, liefert die Geschichte eines sensationellen Pianisten polnischer Abstammung, der in den Jahren 1920-er in den USA Karriere machte. Es handelt sich dabei um Józef Hofman. Weil seine Hände kleim waren, bestellte der Pianist bei der Firma Steinway 2 Flügel mit engeren Tasten. Wie groß die Reduktion war, wissen wir leider nicht. Auch für manche zeitgenössische Pianisten wird so etwas wahrscheinlich stillschweigend gemacht, wobei die übliche Tastendruckkraft zusätzlich vermindert wird.

Wird dies für manche gemacht, warum soll es nicht für alle gemacht werden?

Alles in der Welt wird weiterentwickelt und modifiziert. Nur die Standardklaviatur von Klavieren und Flügeln leistet seit Jahrhunderten Widerstand, obwohl diese für vielleicht 30% der Spieler geeignet ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass bei aktuellem Stand der Technik dieses wesentliche Problem endlich gelöst werden kann und soll.

Das neue System

Generell geht es dabei darum, dass jeder auf einer Klaviatur mit solcher Tastenbreite spielen kann, die für ihn optimal geeignet ist, und nicht auf einer, die vor einer sehr langen Zeit entwickelt wurde. Ist die Standardklaviatur für einen gut geeignet, dann soll er diese selbtsverständlich ruhig weiterbenutzen. Die Standardklaviatur bleibt weiterhin die Grundausstattung eines Klaviers oder Flügels, optional wird jedoch für jeden die Möglichkeit gegeben, eine andere, für ihn besser geeignete Klaviatur zu wählen. darüber hinaus geht es um die Einführung eines Systems für die Einstellung der Tastendruckkraft. Das System besteht schon lange, keiner denkt jedoch bislang daran, dieses in Praxis umzusetzen.

Das System mit nur einer Klaviatur soll durch eins mit mehreren Klaviaturen ersetzt werden.

Wie könnte dies in der Ausbildungspraxis aussehen? In den Räumen von Musikhochschulen stehen gewöhnlich zwei Flügel nebeneinander: ein für den Lehrer und ein anderer für den Studenten. Der Flügel für den Lehrer wird mit einer Standardklaviatur ausgestattet, während jener für den Studenten mit einer G.L.C.F.-Klaviatur ausgestattet werden kann. Lehrer und Studenten, die eine Dezime greifen, können dann Flügel mit einer Standardklaviatur, während die Übrigen jenen mit der Klaviatur G.L.C.F.-20 spielen.

Hätte ich (während meines Studiums an der Ecole Normale A. Cortot) die Möglichkeit, auf einer solchen modifizierten Klaviatur G.L.C.F.-20 (auf der ich eine "Neun" greifen würde) zu spielen und Prüfungen abzulegen, dann hätte ich nach dem Absolvieren dieser schwierigsten IV. Division (sie dauert 2 Jahre, während die anderen jeweils nur ein Jahr dauern) das Brevet däExecution erlangt. Mit dem Brevet und früher erlangten Diplom in Solfeggio könnte ich Klavier-Privatunterricht für Anfänger geben.
Ich denke daran, was Robert Schumann sagen würde, wenn er von dem unseren System erfahren hätte. Vielleicht hätten 2 mm Breitenreduzierung der weißen Tasten anstatt von Übungen für ihn gereicht, die zur Lähmung seiner rechten Hand geführt haben.